Firmenkäufe

No replies
Bild von ehertig
ehertig
User offline. Last seen 1 Jahr 28 Wochen ago. Offline
Joined: 31.10.2009

Quelle
Artikel | saldo 10/2010
Detailhandel: Firmenkäufe im Preis inbegriffen
Wenn sich Coop Fust oder die Migros den Discounter Denner kauft, kostet das Hunderte von Millionen Franken. Das Geld dazu stammt von den Coop- und Migros-Kunden.

Coop und Migros haben in den vergangenen Jahren riesige Geldbeträge für die Übernahme von Konkurrenten ausgegeben. 990 Millionen Franken blätterte Coop zum Beispiel im Jahr 2007 für die Elektronik- und Elektrohaushaltgeräte-Kette Fust AG hin. Das war immerhin der dreifache Jahresgewinn oder 6 Prozent des damaligen Umsatzes. 2002 kaufte Coop die Discountkette Waro und die EPA-Warenhäuser, 1995 den Konsumverein Zürich (KVZ).

Für Denner blätterte Migros über eine Milliarde hin.

Auch Migros langte in den letzten Jahren kräftig zu. 2007 angelte sie sich Denner. Der Handel dürfte die Migros laut Branchenschätzungen 1,2 bis 1,3 Milliarden Franken gekostet haben. Das ist das Anderthalbfache des Migros-Jahresgewinns. Zehn Jahre zuvor zahlte Migros für die Warenhauskette Globus 700 Millionen Franken, das Zweieinhalbfache des damaligen Migros-Gewinns.

Bezahlt haben die Käufe letztlich die Konsumenten – und zwar gleich doppelt: Erstens stammten die Milliardenbeträge für die Kaufsummen aus den satten Gewinnen, die Migros und Coop erwirtschaftet hatten. In den letzten fünf Jahren wies die Migros insgesamt 3,9 Milliarden Franken Reingewinn aus, Coop 1,8 Milliarden. Als Genossenschaften schütten sie die Gewinne nicht aus. Mit den vollen Kassen finanzierten sie die Übernahmen. Theoretisch hätten sie die Gewinne auch für Preissenkungen verwenden können.

Zweitens konnten Coop und Migros mit dem Aufkauf fast der gesamten Konkurrenz auch die Preise weitgehend ungestört selbst bestimmen. Konkurrenz erwuchs Migros und Coop erst wieder, als Aldi und Lidl ihre Waren in der Schweiz anboten. Den Gewinnen von Migros und Coop haben die beiden Neuen bis heute übrigens nicht viel anhaben können. Dafür ist ihr Umsatz in der Schweiz noch viel zu klein. Nur Migros verzeichnete in den Jahren 2007 und 2008 einen Rückgang des Konzerngewinnes.

Hohe Abschreibungen wegen der Firmeneinkäufe

Trotz ihrer dicken Polster mussten die beiden Konzerne ihre Einkaufstouren auch mit Fremdkapital finanzieren. Dieses ist im Moment zwar sehr günstig zu haben. Wichtiger ist: Migros und Coop wollen ihre Kredite zumindest teilweise zurückbezahlen und tätigen deshalb jährlich sehr hohe Abschreibungen. Gemäss Hans Peter Schwarz, Finanzchef der Coop-Gruppe, sollten Übernahmen wie die der Fust AG innerhalb von fünf bis zehn Jahren amortisiert beziehungsweise zurückbezahlt sein.

Eine Milliardeninvestition kostet also jährlich 100 bis 200 Millionen Franken. Das schränkt die Möglichkeiten für Preissenkungen ein. Im Klartext: Konsumenten zahlen auch dann mit, wenn eine Übernahme mit Fremdkapital finanziert ist. Wie rasch solche grossen Übernahmen verdaut werden können, hängt überdies davon ab, wie stark die erzielten Synergien zu Kostensenkungen beitragen – zum Beispiel durch Mengenrabatte von Lieferanten.

Von den Verkäufen profitiert haben wenige Familien

Ob sich die Käufe von Globus, Denner und Fust für Migros oder Coop unter dem Strich gelohnt haben, können Aussenstehende nicht schlüssig beurteilen. Die beiden Konzerne geben von ihren Tochterfirmen keine Gewinn- oder Cashflow-Zahlen bekannt. Doch die Konzernverantwortlichen sehen ihre Firmenkäufe in positivem Licht.

Die Fust-Ergebnisse lägen über den seinerzeitigen Annahmen und Erwartungen, sagt etwa Coop-Finanzchef Schwarz. Und gemäss Migros-Geschäftsbericht 2009 habe Denner ein «Rekordergebnis» eingefahren, Globus habe die Ertragskraft «deutlich» verbessern können.

Profitiert von den Verkäufen haben ihre damaligen Besitzer. Bei Denner strich die Familie Gaydoul rund 1,2 Milliarden Franken ein. Bei Globus freuten sich an den 700 Millionen Franken die Globus-Publikumsaktionäre und die Familien Bitterli und Kern. Beim Fust-Verkauf lachte sich Georg von Opel ins Fäustchen – dank seiner 30-Prozent-Beteiligung an der Jelmoli-Gruppe, zu der damals die Fust AG gehörte.

24. Mai 2010 | Stefan Schuppli

2 points

Denn ich bin ein Mensch gewesen, und das heisst ein Kämpfer sein
(Johann Wolfgang von Goethe)